Bush missbraucht Klimaschutz-Argument, um für neue Atomkraftwerke zu werben
12. Juli 2006 - Angesichts der internationalen Meinungsmache für ein Comeback der Atomenergie vor dem bevorstehenden G8-Gipfel in St. Petersburg fordert ROBIN WOOD die deutsche Bundesregierung auf, die eigenen Anstrengungen, aus der Atomenergie auszusteigen zu verstärken und dies auch offensiv in der internationalen Öffentlichkeit zu vertreten. US-Präsident George Bush hatte unmittelbar vor seinem heute beginnenden Deutschland-Besuch in einem Interview den Satz geäußert: “Wenn einem wirklich viel am Umweltschutz liegt, scheint mir die friedliche Nutzung der Kernkraft ein guter Weg zu sein.” Auch der britische Premierminister Tony Blair will ein Comeback der Atomkraft. Ein am Dienstag vorgelegtes Strategiepapier seines Industrieministers sieht den Bau mehrerer neuer Atomkraftwerke in Großbritannien vor. ROBIN WOOD kritisiert diesen Pro-Atomkurs, weil die Nutzung der Atomkraft Menschen, Umwelt und Weltfrieden massiv gefährdet und den Klimaschutz nicht voran bringt.
Bush führte “Sorgen über die zunehmende Erderwärmung” als Grund an, warum er sich für Atomkraft einsetze. “Der Versuch, den Klimawandel durch den Ausbau der Atomkraft aufzuhalten, heißt, ein Risiko durch ein anderes, noch größeres zu ersetzen”, sagt Bettina Dannheim, Energiereferentin bei ROBIN WOOD. “Atomkraft ist und bleibt, die gefährlichste Art, Strom zu erzeugen. Windscale, Harrisburg und Tschernobyl haben auf dramatische Weise gezeigt, welche Gefahren von der Atomenergie ausgehen.”
Mit dem Vorstoß pro Atomenergie versuchen die USA davon abzulenken, dass sie sowohl die größten Klima-Verschmutzer als auch die größten Bremser beim internationalen Klimaschutz sind. Der Pro-Kopf-Ausstoß an Kohlendioxid liegt dort so hoch wie in keinem anderen Land der Welt; ein Viertel der weltweiten C02-Emissionen geht allein auf das Konto der USA. Außerdem machen die USA gezielt internationale Lobbyarbeit gegen den Kioto-Prozess.
Statt Energiesparen und den Umstieg auf erneuerbare Energien massiv zu fördern, befürwortet Bush - auch in Ländern wie China und Indien - den Neubau von AKW. Im Januar dieses Jahres waren weltweit 444 Atomreaktoren am Netz. Sie decken zirka 2,3 Prozent des weltweiten Energiebedarfs und zirka 16 Prozent des Strombedarfs der Weltbevölkerung. Um nur zehn Prozent der weltweit verbrauchten Energie im Jahr 2050 durch Atomstrom zu ersetzen, müssten mehr als 1.000 neue Atomkraftwerke gebaut werden - eine Horrorvision. Würde sie Wirklichkeit, hätte dies unter anderem eine Vervielfachung des Mülls zur Folge, für den es weltweit kein sicheres Endlager gibt.
Die von Bush favorisierte Technik des “Schnellen Brüters” bietet da keinen Ausweg, denn bei ihrem Einsatz entsteht im Vergleich mit anderen AKW noch mehr ultragiftiges, Jahrtausende lang strahlendes Plutonium. Die Brennstäbe der Brüter müssen “wiederaufgearbeitet” werden. Dabei wird der Müll vermehrt und die Umgebung rund um die Atomanlagen radioaktiv verseucht. Außerdem wächst mit jedem Gramm Plutonium die Gefahr, dass damit atomare Massenvernichtungswaffen produziert und eines Tages auch eingesetzt werden.